Nights in White Satin                                                                 5./6. November 1994

Das „Buckaroo“ war mein Lieblingsclub, seit ich hier in der Nähe von LA lebte. Die Leute waren okay und die Musik war gut - meistens traten Country-Bands oder Sänger auf - und ich mochte die Atmosphäre. Vor allem war ich nicht einfach nur Gast, sondern man konnte mich ab und zu auch hinter der Bühne finden. Die Jungs, die dort arbeiteten, waren gute Freunde von mir.

Ich half wieder einmal beim Herrichten der Bühne, irgendeine neue Country-Band sollte heute Abend spielen. Wir waren schneller fertig als gedacht, und Gäste waren noch keine da. Also drehten wir die Musik so laut, dass die Wände wackelten, und rockten auf der Bühne. Die Jungs bildeten einen Kreis um mich und sangen die Songs mit, während ich in ihrer Mitte ausgelassen tanzte.
„I see a red door and I want to paint it black, no colors any more I want them to turn black...“
Ein ziemlich düsterer Song von den Stones, aber ich mochte ihn. Überhaupt mochte ich Songs mit finsteren, tiefgründigen Texten. Irgendwie passte das zu mir.

Als ich hier her kam, hatte ich gehofft, ein neues Leben beginnen zu können und alles hinter mir zu lassen. Doch was ich auch tat, ich konnte diesen einen Mann nicht vergessen. Oh, ich verfluchte ihn für das, was er mir angetan hatte.

Unten huschte jemand an der Bühne vorbei. Zuerst nahm ich das gar nicht richtig wahr, doch als er kurz stehen blieb und zu uns hoch schaute, hielt ich einen Moment inne. Ich traute meinen Augen kaum, dort unten stand er! Und er tat meinem Herzen immer noch weh.
„I look inside myself and see my heart is black.“
Ich schaute ihm in die Augen und dachte: ‚Wenn du wüsstest, dass du der Grund dafür bist...‘
Doch er grinste nur und verschwand wieder. Ich wollte wissen, was „der Typ“ denn hier wollte, und einer der Jungs antwortete mir:
„Weißt du nicht, dass der heute Gaststar ist? Stellt seine erste Country-Single vor - ‚Were Was I‘ oder so ähnlich.“
„Aha,“ erwiderte ich beiläufig.

Er tauchte wieder auf, als ich zu einer neuen Showeinlage ansetzte. Aber diesmal ließ ich mich nicht aus dem Konzept bringen. Diesmal drehte ich den Spieß um und provozierte ihn auf Teufel komm raus.
„You know that it would be untrue, you know that I would be a liar, if I was to say to you, girl we couldn‘t get much higher...“
Ich tanzte direkt vor ihm und schaute ihm tief in die Augen.
„Come on, baby, light my fire!“
Für ihn mochte das Show sein, aber die Worte kamen aus meinem Herzen. Ich liebte ihn.
„Try to set the night on fire!“
Er wippte leicht mit und schaute mir amüsiert zu.
‚Ich weiß, du denkst, ich würde nur spielen, nicht wahr?‘ Ich sah in seine Augen und sprach in Gedanken mit ihm.
‚Du glaubst, ich würde dir nur was vormachen. Nein, ich liebe dich!‘
„Nights in white satin never reaching the end...“ Inzwischen hatte der nächste Song begonnen. Ich konnte mich aus seinen Augen einfach nicht mehr retten. Aber auch er schaute nicht mehr weg.
„ ...Gazing at people, some hand in hand, just what you want to be, you will be in the end, `cause I love you, yes I love you, oh how I love you!“
Sein kleines Lächeln verschwand, und er schaute mich überrascht oder fragend an, ich konnte es nicht ganz deuten. Doch ich wusste, jetzt hatten mich meine Augen verraten! Ich schloss sie ganz schnell und sank vor ihm in die Knie.
Ich liebte ihn so sehr!

Für ein paar Sekunden trug mich das wunderschöne Querflötensolo fort. Aber plötzlich spürte ich, wie sich samtweiche Lippen auf meinen Mund legten. Ich zitterte, als er seine starken Arme sanft um mich schloss und sich vorsichtig auf mich setzte. Seine Wärme tat so gut. Ich wünschte mir, für immer von ihm gehalten zu werden.
Oh, Baby...

 

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