Es war im Sommer `89, als ich ihn zum ersten Mal sah. Ich besuchte eine Freundin und wir schauten uns eine Musiksendung an. Zu dieser Zeit hatte ich noch keinen eigenen Musikgeschmack (ich war 12) und hörte das, was alle hörten. Und das, was alle hörten, lief in „Formel Eins“. So auch dieses chaotische Video von einem Sänger, den ich noch nie gesehen hatte. Er sang mit den Krankenschwestern und raste mit dem Krankenbett davon. Viel mehr ist bei mir nicht im Gedächtnis hängen geblieben. Aber ich weiß noch, dass meine Freundin zu mir sagte:
„Sieht süß aus, der Typ“.
Ich brummelte wohl ein zustimmendes „Hmm“, obwohl mir „der Typ“ eigentlich völlig egal war. Trotzdem muss irgendetwas an diesem Nachmittag passiert sein. Vielleicht hatte ich ein paar Sekunden zu lange in diese blauen Augen geschaut.

Es ist schon seltsam, nach all den Jahren bin ich jetzt verheiratet - und du wieder frei. Nein, deine Ehe hatte mir nie etwas ausgemacht, es änderte ja nichts an der Situation, du warst so oder so unerreichbar für mich. Heute könnte ich daran vielleicht etwas ändern, aber jetzt will ich es nicht mehr.
Obwohl ich dich schon ganz gerne mal kennen lernen möchte. Ich will endlich wissen, wie du wirklich bist, will deinem Bild etwas zuordnen können, was real ist, und diese Mischung aus deinen Rollen, den Medienberichten und meinen Träumereien ersetzen.
Manchmal auf dem Weg zur Arbeit stelle ich mir vor, du säßest neben mir, und ich überlege, worüber ich mich mit dir unterhalten könnte. „Unsichtbarer Freund“ für Erwachsene, sozusagen.
Wie wär‘s mit Musik? Es gibt da ein paar Sachen, die ich dir schon immer mal sagen wollte. Ich finde, du hast eine wundervolle Stimme, aber leider machst du nichts draus. Wenn ich mir heute dein musikalisches Werk anschaue, werde ich ganz traurig, weil ich mir so gut wie nichts mehr davon anhören kann. Zu schnulzig, zu seicht, zu gleichförmig. Und es wirkt auch irgendwie aufgesetzt - Stücke aus der Musikfabrik. Ihnen fehlt das Herzblut eines Werkes, an dem deine Seele hängt, das dein Innerstes nach außen kehrt, das etwas sagen will.
Ich verstehe schon, dass du damit Geld verdienen willst, oder musst, dass der Produktionsaufwand wieder reinkommen muss, vielleicht singst du auch nur um des Singens willen, weil es dir Spaß macht. Aber hast du auch schon mal ein Lied geschrieben? Worte, die unbedingt aus dir raus wollten?
Viele deiner Lieder sind so austauschbar, die könnte morgen auch ein Superstar-Gewinner auf die Scheibe brennen - na ja, ein bisschen poppiger, rockiger vielleicht. Aber was gehört wirklich zu dir?

Es gibt eigentlich nur ein Lied von dir, das ich wirklich noch klasse finde: „These Lovin‘ Eyes”

 

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Ich kann nicht schlafen, und ich will es auch gar nicht.
Ich kann heute Nacht nicht Gute Nacht zu dir sagen.
Manchmal singst du Songs, die mich tief berühren,
manchmal verletzt du mich mit deinen Worten, ohne es zu wissen.
Doch ohne dich kann ich nicht ich selbst sein,
das musst du mir einfach glauben!

                Diese liebenden Augen sehen nur noch dich
                und lieben dich für das, was du in deinem Inneren bist.
                Diese liebenden Augen werden immer ehrlich sein.
                Wenn du wissen willst, wie es in meinem Herzen aussieht,
                schau einfach in diese liebenden Augen.

Du siehst so hübsch aus und du schaust so lieb zu mir her,
ich wünschte du könntest meine Tränen einfach wegküssen.
Du bedeutest mir so viel, du hast mein Leben völlig verändert,
ich wünschte nur, du könntest jede Nacht bei mir sein
und mich so zärtlich in deinen Armen halten, wie in meinen Träumen.
Die Welt hält mich von dir fern,
aber dieses tiefe Gefühl wird nie verblassen.

Du bist der einzige Mann auf der Welt,
den ich wirklich liebe.
Glaube mir, es ist wahr!

                Diese liebenden Augen sehen nur noch dich
                und lieben dich für das, was du in deinem Inneren bist.
                Diese liebenden Augen werden immer ehrlich sein.
                Wenn du wissen willst, wie es in meinem Herzen aussieht,
                schau einfach in diese liebenden Augen
.

                                                                             November 1994

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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