Traumreise

„Juhuu!!!“ jubelte die ganze Klasse, als die Klassenlehrerin das Ziel ihrer Abschlussfahrt bekannt gab: Los Angeles, Venice Beach, ein Hostel nah am Strand. Alle hatten mitgeholfen, während des vergangenen Schuljahres mit verschiedenen Aktionen die Klassenkasse zu füllen, um sich diesen Traum leisten zu können. Jetzt freuten sich alle riesig, dass sie es geschafft hatten.
„Hey Sarah, erwach aus deiner Träumerei, ich brauch einen Rat von dir. Was soll ich zum Baden anziehen? Den pink-gestreiften Bikini oder den schwarzen Einteiler?“
„Na Anne, bei deiner Figur kommt ja bloß der Bikini in Frage. Dann werden die Jungs nur so auf dich fliegen. Aber wenn ich mich im Bikini zeige, dann suchen sie das Weite.“
„So ein Blödsinn, du siehst doch toll aus. Und ehrlich gesagt, ich hab gar keine Lust auf Bekanntschaften.“
„Ach herrje, du mit deinem David. Was soll ich bloß mit dir machen? Du wirst noch für dein Lebtag unglücklich sein.“

Anne schwärmte total für einen Sänger aus L.A., worüber sich ihre beste Freundin Sarah tierisch aufregte, weil Anne an nichts anderes mehr denken wollte. Sie dagegen hatte ihren Traumtyp schon in der realen Welt gefunden: Mike, der bestaussehendste Kerl aus der Parallelklasse.
„Du weißt doch, wie sehr ich David mag. Ich kann doch auch nichts dafür.“
„Ja, ich weiß. Na lassen wir das. Ich freu‘ mich jedenfalls schon riesig. Allerdings, einen Haken hat die Sache: Ich werde für zwei ganze lange Wochen von Mike getrennt sein.“
„Tja, Schicksal. Dafür steigen meine Chancen, David zu sehen, beträchtlich.“
„Na Hauptsache wir haben ordentlich Spaß. Aber noch zwei Wochen Schule. Na ja, die geh‘n auch vorbei.“
„So, die Details wie Abflug, Ankunft, mögliche Zusatzkosten und so weiter, besprechen wir nächste Woche“ rief ihre Lehrerin in die allgemeine Freude der Klasse.

Nach der Schule stand die Mädchenclique mit ein paar Jungs aus der Parallelklasse an der Bushaltestelle.
Gesprächsthema Nummer Eins: die Klassenfahrt!
„Hey Leute, wir müssen unbedingt eine tolle Welcome-Party feiern. Mit Disco und allem drum und dran“ rief Nicole, und die Clique stimmte begeistert zu. Peggy haute in die selbe Kerbe:
„Und natürlich eine Strandfete mit Lagerfeuer und so. Am vorletzten Tag. Wir müssen natürlich genügend Taschengeld mitnehmen, sonst seh‘n wir alt aus.“
„Also das dürfte bei mir kein Problem sein. Ich hab in den letzten Ferien genug gejobbt“, erwiderte Anne.
„Du hast‘s gut“, mischte sich Sandy ein, „Ich muss wohl meine Eltern anbetteln. Aber ich denke, die werden schon einverstanden sein.“
„Hey Mädels, bringt eure knappesten Bikinis mit, wir wollen uns ja schließlich auch amüsieren“, rief Mille im vorbeigehen.
„Wart‘s ab, wir werden schon sehen, wer sich hier amüsiert“, schrie Nicole zurück und drohte ihm aus Spaß mit der Faust. Da kam Mike, um Sarah abzuholen, und er begrüßte sie mit einem Kuss.
„Also dann, Tschüss Leute, Tschüss Anne“, rief Sarah.
„Tschüss Sarah“, riefen die anderen zurück.
Langsam löste sich die Clique auf, und alle gingen nach Hause.

Am Freitag zwei Wochen später war der letzte Schultag. Zeugnisausgabe.
Anne wurde aufgerufen, war aber mit ihren Gedanken wie immer weit weg, bei ihrer Abschlussfahrt, und bei David. Sie bekam nur die Hälfte von dem mit, was die Klassenlehrerin sagte.
„Ssst“, machte Sarah und stupste Anne leicht. „Du bist dran.“
„Oh, ich hab gar nicht drauf gehört“, flüsterte die zurück.
„Denk nicht soviel an David, Schule ist wichtiger“, meinte Sarah.
„Du hast gut reden, du hast ja Mike“, konterte Anne und ohne auf die Antwort zu warten, ging sie vor und holte ihr Zeugnis.
„Zeig‘ mal her den Wisch“, sagte Sarah, als sie zurückkam.
„Mann, deine Eltern können sich ja nicht beklagen bei den Noten.“
„Na ja, du hast dich aber auch ganz schön verbessert. Aber jetzt geht‘s erst mal auf in die Ferien“, erwiderte Anne.
„So, wenn es jetzt keine Fragen mehr gibt, dann ist die Stunde und somit dieses Schuljahr beendet. Ich hoffe, am Montag geht alles klar. Auf Wiedersehn!“, sagte die Klassenleiterin, und die Klasse rief:
„Wiedersehn!“, und strömte zur Tür hinaus.
Einige verabredeten sich noch über das Wochenende. Dann gingen alle nach Hause, voller Vorfreude auf die bevorstehende Reise.

Am Montag früh hatten sich alle auf dem Flughafen versammelt. Um 9.00 Uhr sollte ihr Flug gehen. Nachdem alle ihr Gepäck eingecheckt und sich von den Eltern verabschiedet hatten, stiegen sie ins Flugzeug, und Punkt 9.00 Uhr hob die Maschine ab. Die meisten schliefen während des Fluges, auch Sarah. Aber Anne war hellwach. Sie hörte Musik und konnte es kaum erwarten, kalifornischen Boden zu betreten. Als es dann soweit war, sprudelte sie fast über vor Freude und Unternehmungslust. Endlich stand sie in ihrer Traumstadt Los Angeles!!! Sie sprang auf eine Bank und rief: „L.A. wir kommen!“
„Mensch Anne, komm runter von deiner Wolke,“ rief Christine, „jetzt geht‘s erst mal ins Hotel.“
Nachdem alle ihre Zimmer bezogen hatten, konnten sie den Rest des Tages frei nutzen und Venice Beach unsicher machen.
Anne ging mit Sarah, Peggy und Sandy. Sie erwischte sich immer wieder dabei, dass sie Ausschau hielt nach David. Obwohl sie wusste, dass er ihr wohl kaum einfach so über den Weg laufen würde, er wohnte ja noch nicht mal in Venice, suchten ihr Herz und ihre Augen ständig nach ihm. Natürlich hatte sie kein Glück. Aber sie hatte ja noch zwei Wochen Zeit.

Gleich am selben Abend feierte die Klasse ihre Ankunft in einer Disco. Alle amüsierten sich prächtig. Nicole flirtete schon den ganzen Abend mit amerikanischen Jungs, und Sandy tanzte mit einem jungen Mann aus Kanada. Erst gegen halb eins gingen die letzten ins Hotel zurück.
Die Tage vergingen wie im Flug. Die meiste Zeit verbrachte man auf der Promenade und unten am Strand. Während die Jungs im Wasser tobten, knallten sich die Mädchen in die Sonne. Außerdem standen noch Ausflüge nach Disney Land und natürlich Hollywood auf dem Programm.

Anne und Sarah machten abends oft lange Spaziergänge am Strand entlang. Mit jedem Tag, der verstrich, sank Annes Hoffnung, David zu treffen, und abends lag sie lange wach und dachte an ihn.

Am vorletzten Tag stieg ihre Strandfete. Spät nachmittags versammelten sich alle am Sandstrand von Venice und machten ein großes Lagerfeuer. Auch ein paar amerikanische Boys und Girls feierten mit. Nur Annes Laune war auf dem Nullpunkt. Sie war total frustriert, weil sich ihre Hoffnung nicht erfüllt hatte und sie keine Gelegenheit gefunden hatte, irgendwie zu David zu gelangen. Schließlich konnte sie die Ausgelassenheit der anderen nicht mehr ertragen. Sie machte sich davon.

Sie wollte weg von den anderen und lief in die Stadt. Am Venice Boulevard wurde sie von zwei Typen im Cabrio angequatscht.
„Na, suchst du ‘ne Mitfahrgelegenheit?“
Sie überlegte nicht lange.
„Könnt ihr mich nach Sherman Oaks bringen?“
„Klar, spring rein. Wohnst du dort?“
„Nee, aber Bekannte.“
Anne dachte an einen Bericht, den sie über David in der Zeitung gelesen hatte, und glaubte ungefähr zu wissen, wo er wohnte. Ein paar Ecken davon entfernt ließ sie sich absetzen, und versprach den Jungs, sie wieder am Venice Beach zu treffen.
‚Was soll‘s,‘ dachte sie, ‚in zwei Tagen bin ich eh nicht mehr da.‘
Sie irrte noch eine Weile durch die Straßen von Sherman Oaks, es wurde schon dunkel, dann hatte sie Davids Haus tatsächlich gefunden. Doch als sie vorm Tor stand, verließ sie der Mut. Was sollte sie ihm denn sagen? Langsam lief sie weiter, ohne zu klingeln.
Plötzlich, sie war höchstens ein paar Meter vom Tor weg, kam ein Hund von hinten auf sie zu und sprang sie an. Sie bekam einen Riesenschreck und drehte sich blitzartig um. Es war nur ein kleiner Hund. Er biss nicht, aber er bellte wie verrückt. Auf einmal erkannte sie ihn. Es war der Hund, den sie auf einem von Davids Postern gesehen hatte.
„Psst, bitte sei leise. Ich tu dir doch nichts,“ sagte sie, aber es half nichts. Da erinnerte sie sich, dass sie noch Gummibärchen in der Tasche hatte.
‚Na was soll‘s,‘ dachte sie, ‚ich versuch‘s.‘
Sie gab ihm einige Gummibärchen. „Hier hast du was feines, aber jetzt sei bitte ruhig.“ Und tatsächlich, es klappte. Die Gummibärchen schienen ihm zu schmecken. Sie gab ihm noch mehr, und er ließ sich sogar streicheln.
„Siehst du, so gefällst du mir schon besser. Du bist ja echt ein süßer Hund. Aber du musst doch sicher zu deinem Herrchen zurück, oder? Ich würde ja ganz gern mitkommen, aber ich trau mich nicht. Weißt du, ich mag David nämlich sehr. Ich wollte vorhin schon klingeln, aber ich wüsste gar nicht, was ich sagen soll.“
Und sie wusste auch nicht, dass sie beobachtet wurde.
„Hey, come on!“, kam plötzlich eine Stimme vom Tor her. Der Hund lief auch sofort hin und sprang dem Mann auf den Arm.
Anne nahm all ihren Mut zusammen und rief: “David!“
Er setzte den Hund wieder ab und ging zu ihr. „Wer bist du?“, fragte er.
„Ich... ich bin Anne.“ Sie stotterte vor Verlegenheit.
„Was machst du so spät hier?“
„Ich hab bloß einen Spaziergang gemacht.“
„Das glaube ich dir nicht. Ich hoffe, du bist mir nicht böse, aber ich habe dich beobachtet. Du wolltest zu mir.“
„Ja, du hast recht. David, ich... ich mag dich,“ sagte sie. Und ganz leise fügte sie hinzu: „Ich liebe dich.“
Sie war den Tränen nahe. David nahm sie in seine Arme.
„Nicht weinen, ist doch halb so wild,“ flüsterte er. Aber Anne kamen schon die Tränen. Er schaute ihr in die Augen, mit seinem warmen Blick, der ihr bis ins Herz ging und sie so faszinierte.
„Hey, ist es so schlimm?“
„Ach David, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin. Ich hab mir schon immer gewünscht, dich kennen zu lernen. Und jetzt steh ich vor deiner Villa, und du hältst mich in deinen Armen. Oh David, es ist wie ein Traum.“ Zärtlich drückte sie sich an ihn, sie wollte einfach nur bei ihm sein, ganz nah.
Da fiel ihr Blick zufällig auf die Uhr, die von einer Straßenlaterne beleuchtet wurde.
„Oh mein Gott, schon so spät. Ich muss zurück zu den anderen.“
„Zu welchen anderen?“
„Zu meiner Klasse. Wir haben eine Abschlussfahrt hierher gemacht, wir wohnen in Venice in einem Hostel. Weil wir morgen Abend wieder heim fliegen müssen, haben wir heute eine Strandparty gefeiert. Aber ich war so fertig, weil ich nur noch an dich denken kann, und ich hab dich so vermisst! Dann bin ich abgehauen. Ich werd‘ furchtbar Ärger kriegen.“
„Wie bist du denn hergekommen?“
„Zwei Typen haben mich angebaggert, und ich hab sie bequatscht, mich herzufahren.“
David lachte. Er mochte Anne und war nicht böse über die späte Störung. „Ich bring dich wieder zurück.“
Auf dem Rückweg unterhielten sie sich noch, und Anne wollte alles über David wissen.

Zurück in Venice hielt David an der Promenade und half Anne aus dem Auto.
„Morgen ist unser letzter Tag, kann ich dich noch mal sehen?“, fragte sie leise.
„Okay, einverstanden. Ich freu mich,“ antwortete er.
„Hast du was dagegen, wenn ich noch jemanden mitbringe?“
„Nein, überhaupt nicht. Solange es nicht die ganze Klasse ist.“
„So viele werden es nicht. Nur eine Freundin. Okay?“
„Okay.“
„Ich glaube, von hier aus finde ich allein zurück zur Gruppe,“ sagte Anne.
„Gut, dann geh ich jetzt wieder,“ antwortete David.
„Na dann, mach‘s gut, bis morgen. Und danke für‘s Herbringen.“
David nahm sie noch einmal in seine Arme, und sie gab ihm einen kleinen Kuss.
„Tschüss Anne, bis morgen,“ sagte David, ließ sie los und ging.

„Mein Gott, wo warst du denn?“ Anne lief aufs Feuer zu, und Sarah hatte sie als erstes entdeckt. Sofort kam die ganze Klasse auf sie zu.
„Mensch, wir wollten grad ‘ne Suchaktion starten,“ rief Sandy.
„Hey Leute, alles halb so schlimm, ich hab bloß ‘nen Spaziergang gemacht,“ erwiderte Anne.
„Na dann können wir ja weiter feiern,“ sagte Nicole, und Peggy rief:
„Ja, kommt Leute, dreht die Musik lauter und tanzt!“
Annes Laune war mittlerweile wieder gestiegen. Sie schnappte sich den nächstbesten Boy und tanzte mit ihm. Auch Sarah und ein paar andere tanzten.

Später standen Anne und Sarah am Meer und ließen sich die Füße von den heranrollenden Wellen umspülen.
„Sag mal Anne, was ist eigentlich mit dir los? Vor deinem ‚Spaziergang‘ war deine Laune auf dem Nullpunkt, du warst geradezu unausstehlich, aber jetzt siehst du auf einmal so glücklich aus, du strahlst ja richtig. Wer ist schuld daran?“ Sarah stellte ihre Neugierde mal wieder unter Beweiß.
„Das erzähl ich dir im Hotel,“ antwortete Anne mit einem geheimnisvollen Lächeln.

Als sie spät in der Nacht wieder in ihrem Hotel waren, fragte Sarah:
„Na los Anne, erzähl schon, wer hat dich so glücklich gemacht?“
„David! Ich hab David getroffen,“ antwortete Anne.
„Nein!“
„Doch, es stimmt. Du kannst mir glauben.“
„Hey, du hast mich schon oft verarscht, aber diesmal fall‘ ich nicht drauf rein. Das glaub‘ ich einfach nicht.“
„Ach, glaub‘ doch was du willst.“
„Kannst du es denn beweisen?“
„Ja, kann ich. Ich geh morgen noch mal hin. Wir sind verabredet.“
„Da komm ich mit, ich will seh‘n, wie du dich blamierst.“
„Warum sollte ich mich blamieren?“
„Weil ich dir das nicht glaube.“
„Wir werden ja noch sehen, wer sich hier blamiert. Aber jetzt schlaf ich erstmal. Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
Total happy schlief Anne ein.

Am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück machten sich Anne und Sarah auf den Weg. Sie hatten die Erlaubnis von ihrer Klassenlehrerin bekommen, mussten aber versprechen, rechtzeitig am Flughafen zu sein.

Sarah war ganz aufgeregt, denn obwohl sie David nicht besonders mochte, war sie doch gespannt, ob sie ihn jetzt tatsächlich kennen lernen würde. Anne war jedoch die Ruhe in Person. Sie war sich ihrer Sache ganz sicher, schließlich war sie wirklich mit ihm verabredet.
Sarah traute der Ruhe nicht.
„Ich wette, du legst gleich mit irgendeiner Entschuldigung los, dass du den Weg nicht mehr weißt, oder so,“ sagte sie, als sie in Sherman Oaks ankamen.
„Nein, werde ich nicht. Ich weiß, dass du mir nicht glaubst, aber du wirst ja sehen, dass es stimmt. Du kannst ja auch wieder umkehren, wenn du mir nicht traust. Ich geh jedenfalls zu David, darauf kannst du Gift nehmen,“ erwiderte Anne.
Dann standen sie vor Davids Haus. Anne klingelte, und seine Haushälterin öffnete.
„Wer seid ihr denn?“, fragte sie.
„Siehst du, ich hab‘s ja gleich gewusst. Sie kennt dich nicht,“ triumphierte Sarah.
„Das hab ich auch nie behauptet,“ konterte Anne, und zu der Frau sagte sie: „Hallo, ist David da? Wir sind verabredet.“
„Oh ja, dann musst du Anne sein.“
„Ja, das bin ich, und das ist meine Freundin Sarah,“ sagte Anne und zeigte auf Sarah. Da kam David durch den Garten.
„Hallo Anne!“, rief er schon von weitem.
„Hallo David!“, rief sie zurück, rannte auf ihn zu, und er gab ihr zur Begrüßung einen kleinen Kuss. Anne drehte sich um, und schaute triumphierend zu Sarah. Die zuckte nur mit den Schultern und kam zu den beiden herüber. David begrüßte auch sie und die drei gingen ins Haus, wo seine Frau schon wartete. Auch sie begrüßte die beiden Mädchen und brachte für jeden etwas zu trinken.

Für Anne verging die Zeit wie im Flug, sie unterhielt sich angeregt mit David, doch Sarah langweilte sich.
„Komm Anne, wir müssen bald gehen, quatsch‘ dich aus,“ drängelte sie, aber Anne kam einfach nicht von David los. Am liebsten wäre sie für immer hier geblieben. Er war so nett, sein Blick ging ihr durch und durch, und mit jedem Wort, das er mit seiner tiefen, etwas rauen, aber zärtlichen Stimme sprach, verliebte sie sich mehr in ihn.

Sarah hatte sich für eine Weile zu Davids Frau gesellt, und plötzlich rief sie aus der Küche:
„Oh nein, in einer halben Stunde müssen wir am Flughafen sein!“
Anne setzte ihr Glas so abrupt ab, dass fast der Inhalt überschwappte. „Das schaffen wir nie,“ sagte sie und lehnte sich resigniert zurück.
„Doch, wenn ich euch fahre,“ meldete sich David. Anne sprang auf.
„Das würdest du tun?“ fragte sie mit einem Leuchten in den Augen. Wenig später saßen sie in Davids Porsche und waren auf dem Weg zum Flughafen. Anne saß hinten und legte ihre Arme zärtlich um Davids Schultern. Er ließ es sich gefallen und schickte ein Lächeln über den Rückspiegel zu ihr.

Die Klasse staunte nicht schlecht, als Anne und Sarah im Porsche hergefahren wurden. Sarah rannte gleich zu den anderen, die neben der Gangway warteten.
David stieg aus und half Anne aus dem Auto. Sie standen sich gegenüber und er schaute ihr in die Augen.
„Wir sehen uns bestimmt mal wieder,“ flüsterte er. Sie umarmten sich ein letztes Mal, und er gab ihr noch einen Kuss.
„Tschüss Anne. Hey, nicht weinen, okay?“
„Okay, ich versuch‘s. Tschüss David.“
Dann lief auch sie zu den anderen.
Ihre Klassenlehrerin empfing sie nicht gerade freundlich. „Wo wart ihr denn? Ich habe doch gesagt, ihr sollt pünktlich sein,“ sagte sie.
„Wir sind doch da!“ schoss Anne zurück. Dann stiegen sie ins Flugzeug. Anne suchte sich einen Fensterplatz und schaute hinaus. Dort unten stand David, sehnsüchtig blickte sie zu ihm. Als er sie bemerkte, winkte er ihr zu, und sie winkte zurück.
Die Maschine startete, Anne lehnte sich zurück und schloss die Augen. Sie ließ sich die Ereignisse der letzten zwei Tage noch mal durch den Kopf gehen. Ein zärtliches Lächeln lag auf ihren Lippen, als sie wieder nach Hause flogen.

 

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